Hanns Bolz

Hanns Bolz
"Komposition 2", 1912, Öl auf Leinwand, 78 x 58 cm, Suermondt-Ludwig-Museum Aachen
"Komposition 2", 1912, Öl auf Leinwand, 78 x 58 cm, Suermondt-Ludwig-Museum Aachen

Der Maler, Bildhauer und Illustrator Hanns Bolz ist aufgrund seines kurzen Künstlerlebens und seiner weitgehend verschollenen Werke bis heute eher unbekannt geblieben. Dennoch gehörte er im frühen 20. Jahrhundert zu den Pionieren der Moderne: Aus dem anfänglichen Zeichner für satirische Blätter entwickelte sich, gefördert durch früheParis-Aufenthalte, ein Künstler, der zu den Protagonisten des Expressionismus und des Kubo-Futurismus zu zählen war. Als einziger deutscher Künstler war Bolz noch vor dem I. Weltkrieg an allen drei internationalen Avantgarde-Ausstellungen beteiligt: dem Kölner "Sonderbund" 1912, der New Yorker "Armory-Show" 1913 und dem 1. Herbst-Salon des "Sturm" (Berlin 1913).


Biographie

Geb. 1885 in Aachen,  Schulzeit in Köln,  Studium an der Düsseldorfer Akademie
1908-10 Erster Aufenthalt in Paris (Atelier in der Rue Gabrielle 49)
1911/12 Aufenthalt in München, Illustrator beim "Komet" u.a.; Bekanntschaft mit Richard Seewald, Emmy Hennings und der Schwabinger Bohème
1912 Rückkehr nach Paris (Atelier am Montparnasse)
1914 Kriegsteilnahme mit schwerer Gasvergiftung und Teilerblindung
1917 vorzeitige Entlassung, Aufenthalte in Köln und München,
Freundschaften mit Otto Freundlich und Max Ernst, Bolz beschäftigt sich nur noch mit Modellieren
1918 gest. in der Kuranstalt Neuwittelsbach an den Folgen seines Kriegsleidens.
Erste Ausstellungen ab 1908 in Aachen (u.a.1909 mit den "Brücke"-Malern), ab 1910 auch in den Avantgarde-Salons von Paris (Salon d’Automne und Salon des Independants),  1913 zusammen mit Kandinsky im Aachener Reiff-Museum.
Nach seiner Gedächtnisausstellung 1922 (Galerie Flechtheim Düsseldorf) findet erst 1985 im Aachener Museum wieder eine umfassende Retrospektive statt.

Charakteristik

Nach den frühen Karikaturen und satirischen Zeichnungen folgt eine expressionistische Phase mit Stilleben von einer eher gedämpften Farbigkeit. Daneben entstehen erste farbenfrohe und expressiv bewegte Bilder aus dem Pariser Montmartre-Leben, auf die eine Reihe von kräftig leuchtenden Porträts und Varieté-Bilder folgt.
Schon 1912 dringt Bolz zur völligen Abstraktion vor: Manche Zeichnungen und Bilder sind "rein" aus dynamisch verschachtelten Linien, Kreissegmenten, Dreiecks- und Trapezformen aufgebaut, denen ein schattenähnlicher Farbauftrag wieder Plastizität verleiht. In einigen seiner erhaltenen Zeichnungen türmen sich abstrahierte Stadtlandschaften auch zu kubo-futuristischen Form-Konglomeraten auf. Bolz ist somit neben Otto Freundlich der einzige deutsche Künstler, der innerhalb des Kubismus bzw. des Kubo-Futurismus eine künstlerische Rolle gespielt hat.   

 

Bildbeispiel

"Komposition 2", 1912, Öl auf Leinwand, 78 x 58 cm, Suermondt-Ludwig-Museum Aachen

Das Bild markiert die durch seinen 2. Paris-Aufenthalt beeinflußte Ablösung des Expressionismus und Hinwendung zum Kubismus. Noch radikaler als Léger und Picasso reduziert Bolz das Durchscheinen des Figuralen in der Gesamttektonik des Bildes. Mit der Dynamisierung und Rhythmisierung der aus einem kleinteiligeren Zentrum herauswachsenden Bildstruktur, die möglicherweise noch Assoziationen als eine Halbfigur wecken mag, nähert er sich zugleich den Stilelementen des Futurismus an. In der Ausdruckskraft der Farbkontraste bewahrte er sich jedoch ein Erbe seiner eigenen expressionistischen Werkphase.