Jupp Wiertz

Jupp Wiertz
"Kaloderma", 1926/27, Plakat/Lithographie, 119 x 82,5 cm, Privatsammlung
"Kaloderma", 1926/27, Plakat/Lithographie, 119 x 82,5 cm, Privatsammlung

Jupp Wiertz ist der bedeutendste  deutsche Gebrauchsgraphiker und Plakatkünstler der 20er und 30er Jahre. Durch seine Tätigkeiten u.a. für die Tourismusindustrie (Reichsbahn, Zeppelin-Ges., Lufthansa etc.) wurden seine Plakate in alle Welt exportiert. Mit seinen elegant-verführerischen Frauenbildern und den dynamischen, lichtdurchfluteten Großstadtmotiven erschuf Wiertz ein charakteristisches bildliches Äquivalent für die schillernde Kultur der sog. "Goldenen Zwanziger Jahre".


Biographie

Geb. 1888 in Aachen
Um 1912/13 Studium an der Kunstgewerbeschule Berlin, Lithografen-Ausbildung in Leipzig
1914 Atelierleiter an einer Berliner Kunstdruckerei, Lehrer an der Berliner Reimann-Schule
1919 Mitbegründer des BDG (Bund deutscher Gebrauchsgraphiker)
Vertreten auf verschiedenen Graphik-Ausstellungen, mehrere internationale Gebrauchsgraphiker-Preise.
1929 Teilnehmer der Ausstellung "Das Internationale Plakat" München
Um 1930 Werbevertrag mit der "Reichsbahnzentrale für den deutschen Reiseverkehr".
1938 Einzelausstellung im Aachener Museum
Gest. 1939 in Berlin an den Folgen einer Blutvergiftung durch ein Spritzgerät

2004/5 Retrospektive im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen und in Berlin.


Charakteristik

Jupp Wiertz löst die Gebrauchsgraphik aus der traditionellen Anbindung an die Malerei; sein neuer Stil ist "plakativ": stark flächig aufgefasste Körperformen, die mit einer straff reduzierten, aber eleganten Linienführung umzeichnet werden und die zugleich in kräftig kontrastierender Farbigkeit signalhaft koloriert sind. Der Blick wird ganz auf das ästhetisch herausragende Bildmotiv gelenkt, die untergeordnete Werbebotschaft entschlüsselt sich über die Faszination der Gegenstanddarstellung. Wiertz hat alle modernen Lebensbereiche von Technik und Verkehr bis hin zu Mode und Kosmetik (mit Ausnahme der Politik) zu einem typischen Zeitbild ausgestaltet.


Bildbeispiel

"Kaloderma", 1926/27, Plakat/Lithographie, 119 x 82,5 cm, Privatsammlung

Das Kaloderma-Plakat ist ein Meisterwerk der Reklamekunst und zeigt zugleich ein typisches Bild der modernen Frau im Berlin der 20er Jahre. In der "aggressiven", signalhaften Farbkombination Gelb-Orange-Rot wird mit einem großen Doppelkreis der "Bubi-Kopf" der Frau umrahmt " ihr Sonnenschirm wird hier zu einer profanisierten Mandorla. In kecker

Haltung ist die junge Frau selbst fast zentral ins Bild gerückt, doch leicht nach links versetzt und in lichter Farbigkeit gehalten; reicher Schmuck, kapriziöse Fingerhaltung und kräftiges Make-Up künden von jugendlichem Luxus. Die kokette Kopfwendung und der verschattete Blick, scheinbar schamhaft zur Erde geneigt, lenken jedoch schon über zu dem Seifen-Produkt im unteren Bildteil, welches dann werbepsychologisch wie beiläufig mit rezipiert wird.