Karl Otto Götz

Karl Otto Götz
"Vive Aix-la-Chapelle", 2005, Mischtechnik auf Leinwand,  220 x 330 cm
"Vive Aix-la-Chapelle", 2005, Mischtechnik auf Leinwand, 220 x 330 cm

Karl Otto Götz gehört zu den international bekanntesten Künstlern der so genannten informellen Malerei. Er war einer der ersten Künstler, welcher der nach dem Kriege sich neu orientierenden modernen deutschen Kunst wieder eine internationale Bedeutung verschaffte.Götz blickt auf eines der umfangreichsten Lebenswerke zurück: Er hatte sich neben der Malerei schon frühzeitig zahlreichen bildkünstlerischen Experimenten (Film, Fotografie, Spritzbilder, Didaktik und Psychologie der visuellen Künste) sowie der surrealistischen Dichtung geöffnet. Daneben fand er in seinem Spätwerk auch zu eigenständigen plastischen Experimenten im Bereich der Keramik und der Stahlskulptur. Seine mehrbändigen Autobiographien und die zahlreichen Editionen eigener Gedichte und Texte sind bedeutende Zeugnisse der internationalen Kunstgeschichte wie der surrealistischen Literatur.


Biographie

Geb. 1914 in Aachen-Burtscheid (22. Februar).
1932 Studium an der Kunstgewerbeschule Aachen (bei Rudolf Schwarz, W. Rupprecht u.a.).
1933/34 Anfänge mit abstrakter Kunst, die ihm und seinem Aachener Malerfreund Erich Müller-Kraus Berufs- und Ausstellungsverbot durch die Nationalsozialisten einbrachten.
Ab 1939 Kriegsdienst u.a. in Norwegen, seit 1941 Aufenthalte in Dresden (Kontakte zu Otto Dix u.a.)
1945 Vernichtung fast seines gesamten umfangreichen Frühwerkes im Atelier in Dresden.
1949/50 erste Aufenthalte in Paris und Amsterdam: Götz knüpft enge Verbindungen zur europäischen Avantgarde, war z.B. einziges deutsches Mitglied der Internationalen Künstler-Gruppe "Cobra", 1949-51 (Ausstellungen in Amsterdam, Brüssel, Lüttich). Herausgeber der avantgardistischen Kunst-Zeitschrift "Meta" (1948-53). Gründungsmitglied der Künstlergruppe "Quadriga" in Frankfurt (1952). Frühzeitige Beteiligung an allen großen internationalen Ausstellungen: Peintures et Sculptures nonfiguratives en Allemagne, Paris (1955), Documenta Kassel (1959), Biennale Venedig  (1958).
Seit 1946 zahlreiche nationale und internationale Einzelausstellungen (u.a. in Paris, Rom, Mailand, Brüssel, Seattle).
1959-79 Professur für Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie, Lehrer
bedeutender deutscher Künstler wie G. Richter, S. Polke, G. Graubner, F. E Walther oder H. A. Schult.
1997  Gründung der "K.O.Götz und Rissa-Stiftung"
Götz lebt mit seiner zweiten Frau, der Malerin Rissa, in seinem Wohn- und Atelierhaus in Niederbreitbach-Wolfenacker/ Westerwald.


Charakteristik

Götz’ in vielen Abwandlungen und Erneuerungen bearbeitetes Thema ist die Kunst des Informel. Unabhängig von der formalen Fixierung an ein gegenständliches Abbilden findet der Künstler hier in einem spontanen Malprozeß zu den Grundlagen gestalterischen Schaffens zurück: Ruhige Flächigkeit oder bewegte Rhythmen, Positiv-Negativ-Kontraste, Gegensatz und Zusammenspiel von breitem Farbauftrag und linearer Pinselführung, schichtenförmiges Malen, Auslöschen und Übermalen, konzentrisches oder aufsprengendes Arbeiten - allen diesen bildnerischen Grundelementen sucht sich Götz in einem möglichst schnellen Malvorgang anzunähern. "Informel" bedeutet in diesem Sinne dann: Sich allen formalen Affektionen und Bedingtheiten zu entziehen, eine reine, unvermittelte Malerei in einer Art psychosomatisch gesteuertem Prozeß jenseits einer konventionellen Bildkontrolle  hervorzubringen.


Bildbeispiel   

"Vive Aix-la-Chapelle", 2005, Mischtechnik auf Leinwand,  220 x 330 cm

Das nunmehr dem "Mies van der Rohe-Haus Aachen e.V." geschenkte Bild "Vive Aix-la-Chapelle" gehört zu einer Reihe großformatiger Gemälde der letzten Jahre, in denen der Künstler trotz seiner starken Sehbehinderung  noch einmal ein Furioso an bewegten Farb- und Formstrudeln auf die Leinwände zaubert. Über die ganze Bildfläche erstreckt sich ein unruhiges, kleinteiliges Netz aus blauen und schwarzen Grundfarben, in das von der Bildunterseite her kräftig rote Strukturen wie eine Eruption hereinbrechen. Wie schon in seinen früheren "Wiedervereinigungs"- und "Dresden-Bildern" läßt es Götz durchaus wieder zu, daß der Betrachter auch hier seinen Assoziationen freien Lauf lassen kann. So könnte sein "Aachen-Bild" sogar zu einem offenen Symbol auf die Historie seiner Heimatstadt werden - einer Stadt, die in sprudelnden Wassern und unterirdischem vulkanischem Feuer ihre Lebensgrundlage fand.